Childhood Intern / Professor Dr. Joest Martinius

Eine Stiftung kann nur erfolgreich sein, wenn sie von Menschen mit Herz und Verstand unterstützt wird. Einer von ihnen ist Professor Dr. Joest Martinius, emeritierter Kinder- und Jugendpsychiater und Kinderarzt aus München. Seit mehr als sieben Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei Childhood. Wie und warum erzählt Professor Martinius im Interview.


Prof. MartiniusProfessor Martinius, wie ist die Zusammenarbeit mit Childhood entstanden?

"Als Psychiater habe ich viel mit Kindern zu tun, die unter schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen; natürlich auch mit solchen, die Missbrauch und Misshandlungen erfahren haben. Hier ist die gemeinsame Schnittstelle der World Childhood Foundation mit meinem Wissen über diese Problematik. Meine Qualifikation als Wissenschaftler gibt mir die Möglichkeit, Projekte zu beurteilen. Und als Arzt habe ich den Wunsch zu helfen. Es ist schön, wenn man noch etwas bewirken kann." 

Kürzlich kam der Projektausschuss von Childhood in München zusammen. Zwei Mal im Jahr wird über Projekte beraten. Seit wann nehmen Sie an diesen Sitzungen teil?

 

"Kurz nach der Gründung wurde ich in den Projektausschuss aufgenommen, wenig später auch ins Kuratorium. Ich bin in beiden Gremien der Stiftung vertreten." 

Wie läuft eine Projektausschuss-Tagung ab?

 

"Es geht prinzipiell immer darum, ob laufende Projekte weiter unterstützt und ob neue aufgenommen werden. Diesmal ging es um etwa zehn Projekte. Das bedeutet: Den Mitgliedern werden die Fortschritte von laufenden Projekten und die Inhalte von neuen dargelegt. Auf dieser Basis wird dann entschieden, ob (weiter) gefördert wird oder nicht. Wir haben ja den Grundsatz, nicht länger als drei Jahre unterstützend tätigt zu sein. Danach wird eine Auslaufstrategie entwickelt, meist, wenn die Finanzierung anderweitig gesichert ist. Meine Funktion bei diesen Treffen ist folgende: Ich bin der Fachberater. Denn Kinder- und Jugendpsychiatrie wird immer gefordert. Ich beurteile dann die Projekte vor diesem Hintergrund." 

Professor Martinius, wo liegt Ihr Hauptaugenmerk bei der Bewertung von Projekten: Ist es die Qualität? Sind es die Kosten?

 

"Beides. Es geht zum einen um den Inhalt eines Projektes und die Art, wie es gemacht wird. Dafür gibt es Kriterien. Die Idee muss gut sein und die Zielgruppe erreicht werden. Gibt es gute Leute? Ist das Projekt tragfähig? Bei den Kosten stellen sich zum Beispiel folgende Fragen: Sind die beantragten Personalkosten in Ordnung? Wie viele Stellen werden kalkuliert? Da ich als ehemaliger Chef eines großen Krankenhauses Experte in Sachen Budget bin, kann ich auch das beurteilen. Spendengelder müssen immer mit viel Überlegung und kühler Berechnung ausgegeben werden." 

Haben Sie sich in all den Jahren auch schon einmal bei einem Projekt geirrt?

 

"Ganz daneben gegangen ist noch nichts. Wir hatten kein Flop-Projekt dabei. Nichts, was eine unangenehme Rückwirkung auf Childhood hatte. Aber wir haben ja auch Regeln. Privatpersonen können keine Anträge stellen. Das muss schon eine Institution sein. Und bevor über einen Antrag entschieden wird, schauen wir uns die Einrichtungen auch an." 

Machen Sie auch danach noch Projektbesuche?

 

"Ja, das machen wir. Unsere Projekttagung fand auch in einer der Einrichtungen, die von Childhood gefördert wird, statt." 

Gibt es Projekte, an denen Ihr Herz besonders hängt?

 

"Ich persönlich lege meine Zuneigung nicht auf ein einzelnes Projekt. Für uns gibt es aber Vorzeigeprojekte. Derzeit ist es HEROES in Berlin, das große öffentliche Aufmerksamkeit genießt und viele Auszeichnungen erhält. Andere haben es aber sicherlich auch verdient." 

Professor Martinius, herzlichen Dank für das Gespräch. 

Nach der Besprechung der Projekte macht der Ausschuss übrigens eine Empfehlung für den Vorstand. Der entscheidet, welche Projekte von Childhood Deutschland gefördert werden sollen. Das letzte OK gibt es schließlich aus dem "Mutterhaus" der Stiftung, aus Schweden.

Text: Christina Mänz

 

Foto: Jens Rötzsch

 

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