Childhood Meinung / Matthias Kleinert

MatthiasKleinertMeinungAm 28. Februar unterzeichneten 20 Staaten – darunter auch Deutschland und Brasilien  in Genf ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention. Minderjährige können sich zukünftig bei den Vereinten Nationen individuell beschweren, wenn ihre Rechte verletzt wurden. Für Matthias Kleinert, Vorsitzender von Childhood Deutschland, ist das ein wichtiger Schritt für die Umsetzung der Kinderrechte:

Von Matthias Kleinert, Vorsitzender World Childhood Foundation Deutschland:

 

„Die Kinderrechtskonvention von 1990, die von mehr als 190 UN-Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde, hatte einen Schönheitsfehler: sie war nicht individuell einklagbar. Mit dem Zusatzprotokoll zum Individualbeschwerderecht bekommen missbrauchte und misshandelte Minderjährige nun endlich die Chance, ihr Recht auch auf internationaler Ebene einzufordern. Das ist allerdings nicht so einfach wie es klingt. In vielen Fällen kann dieser Weg lang und beschwerlich sein, schließlich müssen vorab alle Rechtsmittel im eigenen Land ausgeschöpft sein, bevor ein Kind beim UN-Beschwerde-Ausschuss für Individualbeschwerden Gehör findet. Die Vereinten Nationen erfahren so aber, wie schlecht es um die Rechte einzelner Kinder in den Unterzeichnerstaaten bestellt sein kann und erhalten damit die Möglichkeit, auf die Regierungen einzuwirken.

 

Die World Childhood Foundation hat in den vergangenen Jahren zusammen mit anderen Hilfsorganisationen für dieses wichtige Zusatzprotokoll gekämpft. Deshalb begrüßen wir es auch sehr, dass Deutschland das Dokument als einer der ersten Staaten unterzeichnet hat.

 

Doch auch wir haben in Sachen Kinderrechte noch Nachholbedarf. Auch in Deutschland werden Kinderrechte nicht immer eingehalten. Ein Beispiel hierfür sind minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, für die sich Childhood engagiert. Die Stiftung fördert mehrere Projekte, die sich für Mädchen und Jungen aus Kriegs- und Krisengebieten stark machen. Eines ist  „Therapy and Advocacy" von der Organisation Refugio in Bremen, ein anderes  „Partizipation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen" vom Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V. (UMF).

 

Das Zusatzprotokoll zum Individualbeschwerderecht ist ein wichtiger Schritt zum Schutz aller Kinder. Jetzt muss es von den Unterzeichnerstaaten ratifiziert und dem jeweiligen nationalen Rechtssystem angepasst werden.  Dann muss man damit Erfahrungen sammeln, bevor hoffentlich der nächste Schritt erfolgt: ein Kollektivbeschwerderecht, bei dem auch Nichtregierungsorganisationen stellvertretend für betroffene Minderjährige bei der Verletzung von Kinderrechten vorstellig werden können.

 

Wir brauchen Geduld – aber langfristig sind wir auf dem richtigen Weg!"

 


 

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