Childhood vor Ort - ein Besuch bei Philani in Südafrika.

Projekte, die von uns gefördert werden, liegen uns auch am Herzen. Deshalb vermitteln wir manchmal Praktika oder – nach sorgfältiger Vorbereitung – einen Besuch vor Ort. So auch in Südafrika bei Philani. Die Hamburger Rayka Kobiella und Jonas Gerberding informierten sich einen Tag lang über das Hilfsprojekt für Waisenkinder in Kapstadt. Hier ist ihr Bericht:


PHILANI – HILFE FÜR WAISENKINDER IN KAPSTADT

 

Südafrika: Eine Million Menschen leben hier zwischen Ozean und Tafelberg; unter ihnen viele verwaiste, verwahrloste und unterernährte Kinder. Für sie ist die Organisation Philani  die einzige Anlaufstelle  in  Khayelitsha - einem der größten Townships von Südafrika.

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Von Kapstadt aus fahren wir rund  20 Minuten auf dem Highway. Links und rechts tauchen die ersten Townships auf. Eine Wellblechhütte reiht sich an die nächste, dazwischen spielen Kinder mit alten Reifen im Dreck. Am Straßenrand sehen wir viele kleine, improvisierte Läden: Wellblechhütten zum Mitnahmepreis von umgerechnet 300 Euro, gebrauchte Möbel, halb-kaputte Türen, frische Schafsköpfe,  gegrillte Maiskolben, kleine Verkaufsbuden,  Friseursalons, Werkstätten  – die Menschen in Khayelitsha kämpfen ums Überleben. 

Gemuesefrau    

Seit dem Ende der Apartheid zieht es viele Schwarze aus dem Eastern Cape nach Kapstadt, voller Hoffnung auf eine Arbeit und ein besseres Leben. Aber viele von ihnen  stranden im Township Khayelitsha.

 

Unser Fahrer kennt sich hier zum Glück aus, in dem scheinbaren Wirrwarr von kleinen Straßen und schiefen Hütten, die  bis zum Horizont reichen. Hinter einer Kurve ein echter Lichtblick: zwischen Dreck und Wellblech steht ein strahlend gelbes Haus: hier ist die Zentrale der Organisation Philani (übersetzt heißt das „gesund werden"). Das große Tor führt zu einem bunten Hinterhof mit Kindergarten, Spielplatz, Arztpraxis und Arbeitswerkstätten für die Mütter, die hier Kochen, Weben und Nähen lernen. Hilfe für Mütter und Kinder. Eine Oase.

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Bereits 1979 gründete die schwedische Ärztin Ingrid Le Roux das Projekt für Gesundheit und Ernährung für Kinder im Township. „Die Regierung dachte damals, wir wären verrückt", erzählt sie uns. „Weiße ziehen während der Apartheid ins Township, um Schwarzen zu helfen. Wir bekamen keinerlei Unterstützung.”  

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Was als mobile Klinik für unterernährte und kranke Kinder begann, ist heute auch ein Aufklärungsprogramm für Mütter über das gesunde körperliche und geistige Wachstum ihres Nachwuchses. Das Philani-Team arbeitet eng mit den Gesundheits- und Sozialbehörden des Landes zusammen; Anerkennung für die Visionärin Le Roux, die niemals ans Aufgeben dachte.  „Childhood hat mein Team und mich von Anfang an bei unserem Programm für  gefährdete Kinder unterstützt, uns ermutigt, gerade denjenigen zu helfen, die am Hilflosesten sind." 

 

Heute verfügt Philani in Khayelitsha und Umgebung über acht Zentren. Childhood förderte über fünf Jahre das „Outreach-Programm" mit inzwischen 80 Mitarbeiterinnen. Sie alle sind von der Organisation ausgebildete Sozialarbeiterinnen, meistens Frauen, die selbst durch Philani Hilfe erfahren haben. Ein Teil dieses Teams kümmert sich jetzt vor allem um Waisen.

 

Die größten Probleme im Township sind Unterernährung und HIV/AIDS. Viele Väter und Mütter sterben. Aber manche flüchten auch einfach aus dem Elend und lassen ihre Kinder allein und in Armut zurück.

 

Die Mitarbeiter von Philani erleben immer mehr Kinder, die tapfer versuchen, für ihre jüngeren Geschwister zu sorgen. Sie finden Minderjährige, die bei älteren, überforderten Verwandten unterkamen.  Kinder, die täglich ums Überleben kämpfen. Genau diesen Mädchen und Jungen musste und muss geholfen werden. Und so erweiterte die Organisation ihr Programm um die gezielte Unterstützung für verwaiste Kinder.

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Wir treffen Bongani (11) und ihr Bruder Thandiwe (8), die uns ihre Geschichte erzählen. Sie verloren ihre Eltern durch AIDS. Auch sie selbst sind HIV-positiv. Die beiden kamen in der winzigen Hütte ihrer Tante unter. Doch die Frau, verlassen von ihrem Mann,  konnte nicht einmal für sich und ihre eigenen drei Kinder sorgen. Als die Sozialarbeiterinnen von dieser Familie hörten und sie in ihrer Hütte aufsuchten,  waren die fünf Kinder unterernährt. Die Tante erinnert sich an diese schreckliche Zeit:  „Ich wusste nicht, wie wir überleben sollten. Ich war völlig verzweifelt und ratlos." Die Mitarbeiterinnen von Philani organisierten, dass die Kinder in die hiesige Klinik kamen. „Dort wurden sie wieder gesund. Man half uns, finanzielle Unterstützung von der Regierung zu bekommen und eine größere Hütte zu bauen. Die Kinder gehen jetzt alle zur Schule und wir haben genug zu essen." Die junge Frau strahlt. „Danke, Philani!".

 

Bisher konnte durch die Organisation von Ingrid Le Roux über 5000 Familien geholfen werden, ihr Leben sicherer und lebenswerter zu gestalten. Ingrid Le Roux: „Aber es gibt noch viel Elend und viel Arbeit für uns. Nach wie vor stoßen wir in Khayelitsha auf unterernährte Waisenkinder und überforderte Familien. Vor allem die Kinder brauchen dringend Hilfe. Wir sind sehr froh, dass Childhood uns bei unserer Arbeit unterstützt."

 

Informationen über Philani unter www.philani.org.za

  

 

Text: Rayka Kobiella

Fotos: Jonas Gerberding

 

 

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