Danke, Childhood! / Getrud Reuter-Lessing

ReuterLessingGertrud Reuter-Lessing leitete über 24 Jahre lang das Mutter-Kind-Haus Jörg Sommerlath. Die Berliner Einrichtung trägt seit 2006 den Namen des verstorbenen Bruders von Königin Silvia und wird von Childhood unterstützt. Ende 2011 verabschiedete sich Reuter-Lessing in den Ruhestand. Doch die Gedanken der 60-Jährigen gelten noch immer den jungen Müttern und ihren Kindern – und den dazugehörigen Vätern, für die sie sich so engagierte.


Frau Reuter-Lessing, Childhood unterstützt im Mutter-Kind-Haus Jörg Sommerlath derzeit das Projekt „Väter und Partner übernehmen Verantwortung". Was ist das Besondere an dieser Initiative?

 

„Eigentlich wünschen sich junge Frauen eine Familie. Dazu gehört der Mann. In solchen Mutter-Kind-Einrichtungen sind Väter und Partner aber höchstens Gäste. Sie haben keine Lobby. Wir wussten allerdings: Wenn wir die Frauen für uns gewinnen wollen, wenn das Ziel eine stabile Mutter-Kind-Bindung ist, müssen wir für die dazugehörigen Männer Platz schaffen. 2010 haben wir dann ein Väter-Partner-Projekt eingeführt. Ein Pilotprojekt, bei dem relevante Themen der Familie behandelt werden. Lernen bedeutet schließlich auch, sich zu stellen, hinzuschauen. Und da ist es wichtig, dass die Männer mit im Boot sind. Ich habe übrigens das Gefühl, dass die Namengebung des Bruders der Königin für unser Haus dazu beigetragen hat, sich dem Thema Männer zu widmen."

 

2006 verlieh Königin Silvia bei einem Besuch dem Mutter-Kind-Haus den Namen ihres verstorbenen Bruders Jörg Sommerlath. Was wissen Sie über ihn?

 

„Er hat Childhood Deutschland mitgegründet und war ein sehr engagierter Mensch mit einer positiven Lebenseinstellung und einem sprühenden Humor. Das wurde mir von Berliner Freunden berichtet. Die Königin hat damals ein Bild von ihrem Bruder mitgebracht. Das hängt jetzt im Mutter-Kind-Haus."

 

Wie haben Sie den Besuch der Königin in Erinnerung?

 

„Sie ist für mich eine beeindruckende Persönlichkeit, die an Ideen glaubt und der es wirklich um die Menschen und um die Inhalte der Arbeit geht. Ihr Interesse an den Müttern und Kindern sowie den Mitarbeitern kam von Herzen. Ich fühlte mich von der Königin gesehen. Als ich einen Vortrag halten musste, habe ich sie einfach nur angeschaut, sie hat mich angeschaut. Ihre warmherzige Ausstrahlung hat mir Sicherheit gegeben, da konnte ich atmen."

 

Sie haben der Königin zum Abschied einen Brief geschickt...

 

„...und sie hat mir persönlich zurückgeschrieben. Darüber habe ich mich sehr gefreut."

 

Und wie haben Sie die Zusammenarbeit mit  der Stiftung empfunden?

 

„Es war einmalig. Die Mischung aus Fördermitteln für ein Projekt, Fortbildung und Evaluierung bedeutet Wachstum für die Einrichtung. Allein schon dadurch, dass Childhood ein prozessbegleitendes Feedback einfordert, ist man konstant zur Reflektion aufgefordert. Und was die finanzielle Ausgestaltung angeht -  gerade bei einem Pilotprojekt muss man einen langen Atem haben und die Möglichkeit, unterschiedliche Methoden der sozialen Arbeit auszuprobieren. Deshalb ist die auf drei Jahre angelegte Förderung durch Childhood auch so wichtig."

 

Seit Dezember sind Sie im Ruhestand. Können Sie so einfach abschalten und loslassen?

 

„Ich bin zum Teil erleichtert, dass ich keine Verantwortung mehr trage. Ich habe eine Nachfolgerin und muss jetzt mal ein Stück zurücktreten, damit sich die neue Leitungsgruppe finden kann. Aber verbunden bin ich dem Haus immer noch."

 

Und was würden Sie sich für die Einrichtung zukünftig wünschen?

 

„Dass das Väterprojekt gut in die Konzeption des Hauses reinwächst. Es heißt ja Mutter-Kind-Haus – da fehlt ja noch das Wort ‚Vater’. Ich wünsche mir, dass es sich vernetzt und verzahnt.... und dass die Kollegen gut auf sich aufpassen."

 

Frau Reuter-Lessing, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute.

 

Mehr über das Mutter-Kind-Haus Jörg Sommerlath unter www.ejf.de

 

 

 

Text: Christina Mänz

Foto: Michael Jespersen

 

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