Ein Tag im Leben von Mario...


Childhood fördert eine Integrationsfirma im Erich Kästner Kinderdorf in Unterfranken, in der Jugendliche mit einer leidvollen Vergangenheit auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Einer, dem dieses Projekt eine Perspektive für die Zukunft gibt, ist der 22-jährige Mario. Der junge Mann machte eine Ausbildung zum Beikoch und arbeitet seit drei Jahren im Erich Kästner Kopernikum e.V.. Hier erzählt er über seinen Alltag. Lesen Sie bitte bis zum Ende - da verrät Mario sein Lieblingsrezept!


"Nach meiner bestandenen Prüfung war ich im Juli 2010 fertig mit meiner Ausbildung und habe einen Arbeitsplatz gesucht. Das Erich Kästner Kopernikum hat mir einen angeboten. Hier kann ich meine Fachkenntnisse gut anwenden und lerne neue Sachen dazu. Und so sieht mein Tagesablauf aus:

Um 8:00 Uhr komme ich jeden Morgen zur Arbeit. Wir sitzen erst alle zusammen mit Katharina (Anm.: Sozialpädagogin) und machen eine Teambesprechung für den Tag. Da geht es darum, welche Aufgaben erledigt werden müssen, was es für den Kindergarten zu essen gibt, ob es eine Veranstaltung im Erich Kästner Salon gibt und wer von uns was macht. Wer also die Tische deckt, wer die Wäsche bügelt und wer die Fenster im Salon putzt. Nach der Besprechung fangen wir mit der Arbeit an. Wenn wir einkaufen gehen, schreiben wir erst eine Liste. Manche Sachen können wir in unserem Ort einkaufen, für Großeinkäufe fahren wir gemeinsam zum Großhandel.  

Erich Kästner Kopernikum
Sobald wir zurück sind, beginnen wir mit den Vorbereitungen für das Mittagessen für den Kindergarten am Ort. Das sind zwischen 20 und 25 Essen jeden Tag. Die Kinder mögen unser Essen. Wir machen immer Hauptspeise und Nachtisch. Wenn das Essen fertig ist, liefern wir es an und ich erzähle den Kindern, was es gibt. Wir haben auch schon zur Probe Essen für die Schule am Ort gekocht, das werden wir ab Herbst jeden Tag machen, denn den Kindern hat es prima geschmeckt. Dienstags kommt ein Koch zu uns ins Kopernikum und bereitet mit mir ein Mittagessen vor. Da zeigt er mir die richtigen Schritte und auch Tricks, dass mein Essen noch besser wird.

Neulich haben wir für einen Empfang sieben verschiedene Arten Kanapees zubereitet, das waren insgesamt 800 Teile. Die haben den Leuten gut geschmeckt. Das weiß ich deshalb, weil ich zusammen mit einem anderen Jugendlichen am Abend serviert habe. 

Oft haben wir am Nachmittag oder am Abend Veranstaltungen hier bei uns im Erich Kästner Salon, wie zum Beispiel Geburtstagsfeiern oder Besuche von Gruppen, die sich vorher unsere Erich Kästner Bibliothek angeschaut haben (dort befindet sich der persönliche Nachlass von Erich Kästner). Auch für diese Leute bereite ich ein Buffet vor. Wenn Gäste da sind, schenke ich Getränke aus und serviere das Essen.

Dann haben wir auch noch einen kleinen Mühlenladen, in dem wir selbst gemachtes Gebäck, Marmelade, Gelees, Säfte oder eingemachtes Obst und Gemüse verkaufen. Oft verkaufe ich dort auch unser selbst gebackenes Brot oder gebackene Zöpfe. Auf unserem großen Herbstmarkt im November verkaufen wir dann auch selbst gemachte Deko.

Erich Kästner Kopernikum II
Zum Erich Kästner Kopernikum gehört auch ein großes Gewächshaus und ein großer Garten. Wir pflanzen im Gartenhaus hauptsächlich Tomaten. Draußen wachsen verschiedene Blumenarten, Salat und Gemüse wie Kürbisse, Zucchini, Gurken und Radieschen. Außerdem haben wir Erdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Das Unkraut-Jäten und Gießen macht mir nicht so viel Spaß, ist aber nötig. Beim Kartoffel-Legen habe ich dieses Jahr ziemlich in der heißen Sonne geschwitzt. Gott sei Dank haben wir jetzt in der Mitte des Gartens einen neuen Pavillon aus Holz stehen. Den habe ich mit einem Förster aus dem Nachbarort gebaut.

Mein Arbeitstag endet um 15:30 Uhr. Meine Arbeit macht mir fast immer Spaß. Es freut mich, wenn den Kindern im Kindergarten mein Essen schmeckt und wenn die Gäste hier im Erich Kästner Salon meinen Kuchen gerne essen.

Hier ist noch eines meiner Lieblingsrezepte für den Kindergarten:

500 g Hackfleisch, ein wenig Öl zum Anbraten
1 Zwiebel
2 Packungen passierte Tomaten
1/2 Tube Tomatenmark
Salz, Pfeffer, Paprika, Majoran, Thymian, Oregano, Basilikum

Das Hackfleisch scharf anbraten. Danach die Zwiebel in kleine Würfel schneiden und mit dazu geben. Mit Salz, Pfeffer und Paprika würzen. Das Tomatenmark dazu geben und andünsten. Mit den passierten Tomaten etwa 20 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss mit Majoran, Thymian, Oregano und Basilikum würzen.

Guten Appetit!"

Wir danken Mario und dem Team vom Erich Kästner Kopernikum e.V. ganz herzlich. (CM) 


LogoKopernikum


FOTOS: Mario mit seiner Kollegin Clara (zur Verfügung gestellt vom Erich Kästner Kopernikum)


Weitere Infos gibt es HIER.


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