Die Erfolgsgeschichte der Heroes


Wir haben an dieser Stelle in den vergangenen Jahren viel über das Berliner Projekt HEROES berichtet. Das hat mehrere Gründe. Zum einen war Childhood Deutschland 2007 "Geburtshelfer" der HEROES (das Konzept stammte aus Schweden und wurde bereits dort von unserer Stiftung gefördert). Zum anderen hat sich dieses einzigartige Projekt so erfolgreich entwickelt, dass es bundesweit für Aufmerksamkeit sorgt(e) und mit Recht in den vergangenen Monaten Anerkennung und zahlreiche Preise erhielt.


Grund genug also, um einmal mit HEROES-Gründerin Dagmar Riedel-Breidenstein Bilanz zu ziehen. Doch noch schnell vorab dies – für all diejenigen, die HEROES vielleicht doch noch nicht kennen: Es ist ein Projekt für Gleichberechtigung, bei dem sich junge Männer aus Ehrenkulturen gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern engagieren.

 

 

Frau Riedel-Breidenstein, Childhood leistet bei innovativen und kleinen Projekten Anschubfinanzierung. Irgendwann sollen sich diese  – wenn alles gut läuft – ihre Mittel anderweitig sichern. Wie sieht das jetzt bei den HEROES aus?

 

Wir haben es tatsächlich geschafft, dass wir ab 2014 von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen finanziert werden.

 

Wie kam es dazu?

 

Hauptsächlich durch politischen und öffentlichen Druck, zum Beispiel durch die Presse. Die Senatsverwaltung fand uns zwar immer inhaltlich gut, hat unsere Arbeit wertgeschätzt. Die Senatorin war auch bei unserer letzten Anerkennungs-Veranstaltung.  Aber Geld war für unser Projekt eben nicht da; bis ein neues Programm aufgelegt wurde, von dem wir jetzt profitieren.

 

Apropos öffentlicher Druck:  Wenn in den Medien über HEROES berichtet wird, wenn HEROES vom Bundespräsidenten eingeladen wird,  wenn wie 2012 Rabbi Alter seinen Integrations-Bambi für die HEROES stiftet – wie nachhaltig ist mediales Interesse?

 

Was nach einer Veröffentlichung – vor allem im TV -  folgt, sind viele „likes" bei Facebook, viele treten auch unserer Gruppe bei, in der Themen ausgetauscht und kommentiert werden. Das sind praktisch die ersten direkten Auswirkungen. Wir erhalten verstärkt mails und Spenden und ganz viele Fragen, was man machen kann, wie man uns unterstützen kann.

 

Wenn Sie an die Anfänge 2007 zurückdenken: Weshalb war die Kooperation mit Childhood so glückhaft?

 

Es war vor allem die Offenheit und die Bereitschaft mit dem, was wir denken und entwickeln, mitzugehen. Bei Childhood gab es keine übertriebene Bürokratie. Bei Childhood hieß es: „Wir mögen das Projekt – macht das so."  Wir haben viel recherchiert; mit viel Freiheit, ohne Druck. Das war einfach toll. Wir hatten die Zeit, uns mit hoher Qualität zu entwickeln. Es war also die Wertschätzung unserer Professionalität.

 

Wie wird das in Zukunft sein?

 

Anders. Bei staatlicher Förderung ist man immer unter Druck. Dabei braucht man Zeit und Potential bei so einem Thema. Man muss heulen und diskutieren und sich in Frage stellen können, damit so etwas wie unser Projekt, damit Leute dabei herauskommen, die persönlich dafür stehen und nicht nur einen Job machen.

 

Ist Vertrauen das Fundament für ein neues, innovatives Projekt?

 

Ja. Man muss ehrlich sein. Alle Beteiligten wussten: Wenn wir scheitern, dann sagen wir das auch. Jetzt sind wir froh, dass wir aus dem Gröbsten raus sind. Natürlich entwickelt sich das Projekt immer weiter. Und nach den Sorgen um die zukünftige Finanzierung können wir jetzt auch endlich wieder inhaltlich denken.

 

Wir müssen jetzt mal auf die Meilensteine der letzten Jahre zurückschauen. Die HEROES wurden ja nur so mit Preisen bedacht.

 

Das erste Highlight war der Prix Courage 2010. Der Preis hat uns nicht nur viele Kontakte, sondern auch sehr viel Glück gebracht. Vieles hat auf diese Auszeichnung aufgebaut. Und ich muss gestehen, dass die Gegenwart von Königin Silvia beim Prix Courage dem ganzen noch einmal eine andere Aura gegeben hat.

 

Es folgten....

 

... der Haupstadtpreis, der Präventionspreis Integration Berlin... ein Highlight war natürlich auch die Bambi-Verleihung 2012, bei der Rabbi Alter seinen Integrations-Bambi den HEROES gewidmet hat. Das hat uns stark positioniert und auch für ein anderes Thema entwickelt. Zu meinen persönlichen Höhepunkten gehört aber auch die erste Anerkennungs-Veranstaltung überhaupt, die in der Schwedischen Botschaft ausgerichtet wurde.

 

Jetzt noch ein Ausblick: HEROES-Teams gibt es mittlerweile auch in Duisburg, München,  Augsburg und Köln – vielleicht auch bald in Hamburg?

 

Wir arbeiten daran. Es gibt ja bereits eine Initiativgruppe. Im Frühjahr werden wir dann einen öffentlichen Workshop in der Hansestadt anbieten, damit die Menschen sehen, wie unsere Arbeit funktioniert, damit wir Unterstützer finden. Wir erhoffen uns eine Initialzündung davon. Ich bin sehr zuversichtlich.

 

Werden sich die HEROES inhaltlich verändern, weitere Themen aufgreifen?

 

Es bleibt beim Thema „Unterdrückung im Namen der Ehre". Zeitweilig kann es um Themen wie Antisemitismus gehen. Aber wir werden keine Gruppen haben, die direkt andere Themen bearbeiten. Wir werden uns allerdings schwerpunktmäßig erweitern. Derzeit richten wir uns ja an Kinder und Jugendliche. Zukünftig wollen wir aber auch die Eltern erreichen; aus Nachhaltigkeitsgründen.  Aber wir bleiben beim Thema.

 

Liebe Frau Riedel-Breidenstein, Ihnen und den HEROES wünschen wir in Zukunft weiterhin viel Erfolg, viel Interesse von allen Seiten und immer eine gesicherte Finanzierung.

 


Interview: Christina Mänz


Weitere Infos: www.heroes-net.de

 

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