Jungen sind häufiger Opfer sexueller Gewalt außerhalb der Familie

Das von Childhood geförderte Projekt berliner jungs fordert eine strukturelle Absicherung ihrer Arbeit, um eine effektive Präventions- und Beratungsarbeit zu gewährleisten. Lesen Sie hier die aktuelle Pressemitteilung des Vereins Hilfe für Jungs e.V.

 

PRESSEMITTEILUNG:

Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist keine Mode-Erscheinung. Die langjährigen Erfahrungen des Projektes berliner jungs zeigen, dass diese Gewalttaten permanent und konstant stattfinden. In den bekannt gewordenen Fällen aus den 70er und 80er Jahren nutzten Pädagogen ihre hierarchisch manifestierte Machtposition aus. Es stellt sich nun die Frage, warum die Missbrauchsdebatte retrospektiv geführt wird. Was ist mit den Opfern, die sich gegenwärtig in sexuellen Gewaltsituationen befinden? Was ist mit den Tätern, deren Taten noch nicht verjährt sind? Und mit denen die heute aktiv sind? Was kann man präventiv tun, damit Jungen gestärkt und vor

sexueller Gewalt geschützt werden?

 

Alleine im Jahre 2009 erreichte berliner jungs über 2.000 Jungen, ErzieherInnen und LehrerInnen durch die Aufklärung und Beratung in Berlin. Der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung ist der Schutz von Jungen vor außerfamiliärer sexueller Gewalt lediglich 30.000 Euro im Jahr wert. Wesentliche Voraussetzung dafür, diese Arbeit dennoch anbieten zu können, ist das bürgerschaftliche Engagement und die finanzielle Förderung durch die World

Childhood Foundation und den Verein roter keil.

 

Im außerfamiliären Bereich sind Jungen häufiger Opfer sexueller Gewalt. Entwicklungsbedingt verlassen Jungen früher den Schutzraum Familie und orientieren sich teilweise oder ganz nach außen. Dabei suchen sie neue Kontakte, Identitäten und scheinen eine unbändige Lust am Experimentieren und an Grenzüberschreitungen aller Art zu haben. Dieses Bedürfnis nutzen pädosexuelle Täter, um Kontakt zu Jungen herzustellen und sexuelle Gewalt auszuüben. 2004 wurden in Berlin im Rahmen einer großen Feldstudie 500 Jungen unter 16 Jahren interviewt, von denen bereits 25% angaben belästigt oder mit sexuellem Inhalt angesprochen und gar 8,25% sexuelle Gewalt erfahren zu haben.

 

Auf der Grundlage langjähriger Beratungserfahrung von Jungen, die Opfer von sexueller Ausbeutung und Gewalt wurden, sowie dieser Studie arbeitet das Projekt berliner jungs des Trägers HILFE-FÜRJUNGS e.V.. In Berliner Schulen, auf öffentlichen Plätzen und in Einkaufszentren werden Jungen präventiv erreicht. Dabei werden ihnen neben der Möglichkeit selbst Opfer von sexueller Gewalt zu werden, die Täterstrategien spielerisch näher gebracht und interaktiv potentielle Reaktionen eingeübt. Darüber hinaus werden Jungen vom Projekt berliner jungs beraten und begleitet. Betroffene Jungen sowie deren Angehörigen werden in geeignete (Therapie-)Angebote vermittelt.

 

berliner jungs bietet neben der Jungenarbeit selbst, Aufklärung und Fortbildung von

MultiplikatorInnen aus dem Jugend- und Schulbereich an und steht auf der (fach-)politischen Ebene als Ansprechpartner zur Verfügung. Die strukturelle Absicherung des Projektes berliner jungs muss erreicht werden, um eine effektive

Präventions- und Beratungsarbeit zu gewährleisten.

 

Presserückfragen nur an:

Markus Klein, Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: +49 163 88 1 55 74

markus.klein@hilfefuerjungs.de

 

Ralf Rötten

Projektleitung HILFE-FÜR-JUNGS

Telefon (030) 219 65 167

ralf.roetten@hilfefuerjungs.de

 

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