Projekt ''Therapy and Advocacy'' - eine erste Bilanz

Sie kommen aus den aktuellen Kriegs- und Krisengebieten der Welt. Aus Afghanistan, Syrien und aus vielen westafrikanischen Ländern zum Beispiel. Kinder und Jugendliche, die Terror, Folter und Krieg und damit verbunden Verfolgung und Flucht er- und überlebt haben. Manche der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind gerade erst zwölf Jahre alt, wenn sie nach Deutschland kommen.


Entsetzliche Schrecken sind das, die kleine Kinderseelen kaum verkraften können. Der Verein Refugio Bremen arbeitet seit 2003 mit traumatisierten und therapiebedürftigen Flüchtlingskindern. Im Januar 2012 wurde mit Unterstützung der World Childhood Foundation das Projekt „Therapy and Advocacy" gestartet.    


Refugio Bremen Foto

45 Kinder konnten hier im ersten Jahr psychotherapeutisch behandelt werden. „Im ersten Schritt bauen wir Vertrauen auf. Wir finden mit einem sensibilisierten Dolmetscher heraus, woher die Kinder kommen. Viele wollen über die Grauen, die sie erlebt haben, am Anfang gar nicht sprechen.Bei frauenspezifischer Verfolgung gibt es viele Tabus", sagtRenata Obrsal-Ihssen von Refugio Bremen im Gespräch mit Childhood. „Wenn alles gut läuft, arbeiten wir zu Dritt in der Therapie."


Der „Advocacy"-Aspekt des Projekts: Für viele Kinder und Jugendliche wird in der Regel kein Asylantrag gestellt, da sie unter das Jugendschutzgesetz fallen sollten, das ihnen einen Aufenthalt bis zum 18.Lebensjahr gewährt. Dennoch helfen die Mitarbeiter dabei, die Betroffenen auf die Anhörung mit einem Clearingverfahren vorzubereiten. „Oft wissen sie gar nicht, wie die Rechtslage ist." Manchmal geht der Prozess von der Ankunft bis zur Erstanhörung beim Bundesamt und zum nachfolgenden Entscheid über den Aufenthaltstitel schnell. Manchmal zieht er sich über Jahre hin. „Das verbittert viele Jugendliche. Das macht einige richtig krank."

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Die Arbeit mit einem der Kinder ist für Obrsal-Ihssen abgeschlossen, wenn sich der/die Betroffene in einem stabilen Umfeld bewegt und Perspektiven für die eigene Zukunft entwickeln kann. Das kann bedeuten, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen oder auch in die Heimat zurückkehren zu wollen. Renata Obrsal-Ihssen ist sich sicher: „Wir sind mit dem Projekt auf dem richtigen Weg. Wir sind auch in der Öffentlichkeit immer präsenter." Ihr Wunsch: „Die gesellschaftlichen und politischen Strukturen müssen noch sensibler für die Aufgaben werden. Diese Kinder verdienen eine Chance, Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden."



TEXT: Christina Mänz


FOTO (Refugio Bremen): Ein Flüchtlingsjunge (10) aus Afghanistan im Gespräch mit einer Therapeutin. „Wir modellieren miteinander ein Haus zum Leben, um in einer neuen Heimat ankommen zu können."


Weitere Infos: www.refugio-bremen.de

 

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