Unterstützung für Childhood Projekt

Wir freuen uns, dass eines unserer Flüchtlingsprojekte seit diesem Jahr Unterstützung durch Mittel des RTL Spendenmarathons erhält. Gelder, die im November vergangenen Jahres gesammelt wurden, helfen nun dabei, Flüchtlingskindern auf dem Platz des Werder Bremen e.V. ein regelmäßiges Fussballtraining zu ermöglichen. Dieses außergewöhnliche Projekt ist eine Kooperation von REFUGIO Bremen und Werder Bremen. 

Um Ihnen den Verein und seine Arbeit näher vorzustellen, haben wir in Bremen mit den Projektleitern ein ausführliches Interview geführt: 

  • Refugio gibt es seit 1989 – das sind bald 30 Jahre – es hat sich viel getan in dieser Zeit. Was würden Sie als besonders positiv hervorheben ?

Bedeutsam ist für uns, dass wir der Unterstützung einzelner Flüchtlinge und der politischen Perspektive treu geblieben sind. Dafür bekommen wir inzwischen auch Anerkennung: Nicht nur medial und durch finanzielle Unterstützung der Spender und Förderer sondern vor allem von der Flüchtlings-Community.

  • Wie groß ist Ihr Team? In welchen Bereichen bieten Sie Unterstützung?

REFUGIO hat 13 Mitarbeitende im Bereich Therapie und Beratung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu kommen etwa 10 therapeutische Honorarkräfte und etwa 20 Dolmetschende, die unsere Arbeit unterstützen. Psychotherapeutische Behandlung ist eine Kernaufgabe von REFUGIO. Sie wird entsprechend unseres multimodalen, integrativen Behandlungsansatzes durchgeführt und ist auch auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten. Zusätzlich bieten wir Körpertherapie, Physiotherapie, Kunsttherapie oder Musiktherapie an und erfüllen damit das Spektrum von Prävention bis zu Rehabilitation.

  • Wie vielen Kindern und Erwachsenen haben Sie bisher helfen können? 

Zu Anfang haben wir jährlich etwa 50 Personen beraten und behandelt. Inzwischen sind es 450 pro Jahr. In den ersten Jahren gab es so gut wie keine Kinder und Jugendlichen. Mittlerweile sind etwa 30% der Klientinnen minderjährig. Die Beratung und Betreuung umfasst manchmal nur ein paar Gespräche; oftmals sind die Flüchtlinge jedoch über mehrere Monate wöchentlich oder zweiwöchentlich bei uns.

  • Können Sie uns ein aktuelles Beispiel aus Ihrem Praxis-Alltag geben?

Sofia (11 Jahre) stammt aus Serbien, ihre Familie wurde dort als Roma verfolgt. Aus Furcht floh sie mit Ihrer Familie nach Deutschland. Auf Anraten Ihres Arztes kam sie zu REFUGIO. Dort nahm sie an der Kunsttherapeutischen Gruppenarbeit teil. Auf Sofias erstem Bild im Rahmen der Kunsttherapie malte sie den Tag der Ankunft in Deutschland: Es sind Eltern und Kinder zu sehen, die in einem Park stehen. Sie wirken wie abgestellt, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Die Familie ist in Bremen in einem Wohnheim untergebracht. Eng, ist es. Angst überkommt sie, zurückgeschickt zu werden. Später, als die Familie einen Aufenthalt bekam und in eine eigene Wohnung ziehen konnte, vervollständigte Sofia das erste Bild: Sie zeichnete die neuen Zimmer und Betten der Kinder, die eigene Küche, den Blick in den Garten.

  • Welches sind die schwierigsten Hürden in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen? 

Sicherlich ist die sprachliche Verständigung eine große Hürde, die wir aber durch den Einsatz von Dolmetschen überwinden können. Sie erfüllen nicht selten auch die Funktion eines  Kultur-Mittlers. Die größte Hürde aber ist die prekäre Aufenthaltssituation der Flüchtlinge und die Abhängigkeit von politischer Willkür. Wichtig ist auch zu nennen, dass die Verstetigung der Finanzierung unseres Zentrums und unserer kostenlosen Angebote für die Flüchtlinge uns regelmäßig vor eine große Herausforderung stellt. Umso mehr freut uns, dass Stiftungen wie Childhood unsere Arbeit nachhaltig unterstützen.

  • Eine wichtige Frage ist natürlich die nachhaltige Entwicklung und Betreuung. Hierzu zählt auch die Zusammenarbeit mit dem Senat, Behörden, Institutionen, Krankenkassen usw. Wie sind diese theoretisch verzahnt und wie sieht es tatsächlich in der Praxis aus?

Mit dem Projekt „therapy & advocacy“ konnten wir neben der Behandlung auch Lobby- und Netzwerkarbeit für Kinder und Jugendliche umsetzen. Childhood ist eine der wenigen Stiftungen, die erkannt haben, dass dies ein wichtiges Feld ist und oft im Täglichen zu kurz kommt. Wir konnten jedoch durch die Förderung Kapazitäten schaffen, um Fachgespräche mit Multiplikatorinnen aus Politik, Gesundheitswesen und Behörden zu initiieren und regelmäßig an Gremien teilzunehmen. Diese Netzwerkarbeit brachte uns mit relevanten Vertreterinnen vom Senat, den Krankenkassen und anderen Institutionen zusammen. In Bremen gibt es bereits seit 2008 ein Umfeld, das sich für die Öffnung des Gesundheitswesens für Flüchtlinge stark macht und das z.B. die Krankenkassenkarte (der AOK) für alle Geflüchteten möglich gemacht hat. Erst viel später sind auch andere Bundesländer wie Hamburg dazu gekommen. Nichts desto trotz gab und gibt es weitere Verbesserungsmöglichkeiten, die wir aufgezeigt haben. Dazu gehört die notwendige Finanzierungsmöglichkeit für Präventionsangebote, speziell mit therapievorbereitendem oder –vermeidendem Fokus zu etablieren. Das ist uns gelungen und wir hoffen damit  eine nachhaltige Teillösung gefunden zu haben.  

  • Wie kam die Zusammenarbeit mit Childhood zustande? Und welche Möglichkeiten haben sich konkret damit für Sie eröffnet? 

Inspiriert wurden wir durch REFUGIO München und konkret wurde die Zusammenarbeit mit Childhood durch einen Projektantrag. Die anschließende Förderung hat uns die Möglichkeit der Professionalisierung und Etablierung des Kinder- und Jugendbereiches gegeben. Auch hat der Fachaustausch auf Kongressen oder Netzwerktreffen uns sehr geholfen.

  • Sie haben es geschafft, dass der Fußball Erstligist Werder Bremen seine Anlagen wöchentlich für das Training mit Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Wie ist es dazu gekommen und wie sieht das konkret aus?

Im Rahmen des Behandlungskonzepts unseres Zentrums spielt die Kreativ- und Bewegungsarbeit eine große Rolle. Die seelische Verfassung hat zweifellos Einfluss auf die körperliche und umgekehrt. Durch unsere aktive Netzwerkarbeit haben wir vor einigen Jahren Kontakt zum Bundesligaverein aufgenommen und vorgeschlagen, unsere jeweiligen Ressourcen  zusammen für die geflüchteten Kinder in Bremen einzusetzen. Werder Bremen stellt die Infrastruktur und wir die therapeutische Begleitung als Brücke zu den Therapieangeboten bei REFUGIO. Die Zusammenarbeit ist  sehr erfolgreich.

  • Was sind Ihre größten Herausforderungen und Sackgassen in der täglichen Arbeit?

Erschwert wird die Arbeit natürlich von den Rahmenbedingungen und der Lebenssituation der Klientinnen. Dazu gehört der unsichere Aufenthalt, die Unterbringung in Flüchtlingsheimen aber auch die Situation von Verwandten und Freunden im Herkunftsland. Die Klientinnen sind dann über neue, schlimme Ereignisse etwa in Syrien informiert und indirekt betroffen.

  • Haben Sie Zielsetzungen für das nächste Jahr?

Eine Verstetigung unserer Angebote im neuen Haus, das wir im Sommer 2017 beziehen.

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