Traumasensibles Lernen

Wer wir sind
Unser Verein „Hilfe für Jungs e.V." hat 1994 in Berlin mit
Straßensozialarbeit mit männlichen Prostituierten begonnen
und unterstützt heute Jungen und junge Männer in vielen
verschiedenen Projekten. Das grundsätzliche Ziel ist es, die
Kinderrechte von Jungen auf ein Leben ohne sexuelle Gewalt
zu stärken und ihnen die Chance auf adäquate Entwicklung und
Partizipation zu geben. Dies trifft besonders auf Jungen aus sozial
schwachen Familien und solche mit Migrationshintergrund zu.
Der Verein setzt bei seiner Arbeit neben akuter Hilfe vor allem auf
Prävention und Beratung. So fahren wir beispielsweise mit
einem Bus durch Berlin und bieten ärztliche Sprechstunden für
Jungs und junge Männer an.

Wem wir helfen
Seit 2017 bieten wir in unserem Projekt „Traumasensibles Lernen"
Hilfe für Jungen und junge Männer von zwölf bis 27 Jahren an,
die im Zusammenhang mit sexueller Gewalt Schreckliches erlebt haben
und dadurch traumatisiert sind. Ein Trauma ist eine seelische Verletzung, die
mit Gefühlen der Angst, der Hilflosigkeit und eventuell auch mit
heftigen körperlichen Schmerzen verbunden ist. Diese Traumata wirken
sich auch auf die Schulleistungen aus. Wir konzentrieren unser Angebot
auf die Jungen, die von sich aus keine Beratungsstelle aufsuchen
würden und für die der Weg zu einem Therapeuten zu weit und die
Wartezeit bis zu einem Termin zu lange ist.
Bei vielen dieser Jungen ist nicht klar, wo sie sich aufhalten,
da sie Flüchtlinge sind. Andere Jungen sehen eine Therapie eher als
Bestrafung und Abschreckung.

Was wir tun
In Zusammenarbeit mit der Humbold Universität in Berlin bilden wir
Lehramtsanwärter und Anwärterinnen im Rahmen einer Fortbildungsreihe
zu trauma sensiblen Lehrkräften aus. Anschließend werden die Lehramtsanwärter und Anwärterinnen das Gelernte ihrerseits an Kolleginnen und Kollegen weiter geben.

Das steckt dahinter
Trauma kann unter anderem zu Konzentrationsstörungen führen.
Diese wiederrum können Lernprozesse blockieren und Leistungsstörungen
in der Schule bedingen.
Im Projekt werden traumatisierte Jungen durch Lehramtsanwärterinnen und
Lehramtsanwärter betreut und unterstützt, die selbst eine Schulung zur
"trauma sensiblen Lehrkraft" durchlaufen haben. 

Zahlen und Fakten
In Berlin wird jeder vierte Junge, von einem potentiellen Täter
in irgendeiner Form angesprochen - das sind 50.000 Jungen.
Jeder zwölfte Junge, das sind 16.000 Jungen, hat sexuelle
Gewalt mit und ohne Körperkontakt erlebt. Bereits in den
ersten sechs Monaten im Jahr 2014 fanden im Projekt „mut"
251 Termine zwischen anderthalb und fünf Stunden mit Jungen
statt. Dazu kamen 260 Termine mit Fachkräften und
Erziehungsberechtigten.


„In der Beratung fühle ich mich sicher und kann das
Gefühl einige Tage lang mitnehmen."
(Ein Junge aus Berlin)

Weitere Informationen unter: www.hilfefuerjungs.de

Kontaktperson bei Childhood:
Andrea Möhringer
andrea.moehringer@childhood.org
Tel.: +49 176 97314576