Trauma-fokussierte Intervention für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Wer wir sind

Die Arbeitsgruppe für Psychotherapieforschung und Verhaltensmedizin gehört zur Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm. Der Projekt- und Abteilungsleiter ist Prof. Dr. Lutz Goldbeck, ein verhaltenstherapeutischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, dessen Forschungsschwerpunkt in der Entwicklung und Evaluierung psychosozialer Interventionen für vulnerable Kinder, Jugendliche und Familien liegt. Die Entwicklung und Implementierung des Projekts wird gemeinsam mit verschiedenen Einrichtungen durchgeführt, die an der Versorgung von UMFs beteiligt sind und somit im Bereich der Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen über eine große Expertise verfügen.

Wem wir helfen

Das Projekt richtet sich an unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (m und w), die in Einrichtungen der Jugendhilfe leben.

Was wir tun

Das traumafokussierte Gruppeninterventionsprogramm kommt in einer Kurzform in Kinder-/Jugendhilfeeinrichtungen und Schulen zum Einsatz. Das Gruppenformat hat den Vorteil, dass Kinder/ Jugendliche dadurch erkennen, dass sie mit ihren traumatischen Erfahrungen nicht alleine sind und dass andere mit ähnlichen Traumata zurechtkommen müssen. Außerdem können sie voneinander lernen, wie man mit Problemen, wie zum Beispielohne die Familie in einem anderen Land zu leben oder Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Schlafproblemen, umgehen kann. Das Entdecken und Erzählen dieser gemeinsamen Probleme ist ein bedeutender Schritt für den Erfolg der Intervention. Zudem ebnet das Erlernen einer Entspannungsmethode, die einfach zu verstehen und in verschiedenen Settings leicht anwendbar ist, den Weg zum Hauptteil, dem Traumanarrativ. Im Traumanarrativ mit dem Titel „Meine Geschichte“ wird es den UMF ermöglicht, über sich selbst, ihre Flucht, ihre schlimmste Erfahrung und ihr Leben in Sicherheit zu reflektieren. Das Traumanarritiv stellt den Hauptwirkfaktor der Intervention dar.

Das steckt dahinter

Während der letzten drei Jahre wurde in Deutschland ein enormer Zustrom an Flüchtlingen verzeichnet. Dazu zählen vor allem auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF). Die ansteigende Zahl an Flüchtlingen stellt nicht nur für Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen, sondern auch für soziale und Gesundheitsversorgungssysteme in ganz Deutschland eine große Herausforderung dar. Ein großer Anteil der Kinder/ Jugendlichen lässt seine Eltern in ihrem Heimatland zurück oder wird von Bezugspersonen während der lebensbedrohlichen Flucht nach Deutschland getrennt. UMF weisen ein erhöhtes Risiko auf Opfer von Konflikten, Ausbeutung oder psychischer/ körperlicher Gewalt zu werden. Daher benötigen vor allem UMF ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit und Schutz. Versorgungssysteme stellen keinerlei psychische Gesundheitsfürsorge für die traumatisierten UMF zur Verfügung. Somit haben die Kinder/ Jugendlichen keinen angemessenen Zugang zu einer geeigneten traumafokussierten Psychotherapie. Darüber hinaus sind die lokalen Traumazentren und Therapeuten durch die steigende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die an PTSS leiden überlastet. Die Inanspruchnahme einer angemessenen Gesundheitsfürsorge wird eingeschränkt durch Sprachbarrieren und einem Mangel an geschulten Dolmetschern.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2015 wurden, nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 441.899 Erstanträge auf Asyl gestellt. Von dieser Population sind ca. 50% unter 18 Jahre alt.

Das Projekt ist so gestaltet, dass in der Implementierungsphase etwa 105 UMF (Gruppen mit 4-6 Kindern/Jugendlichen und 3 Gruppendurchführungen pro Implementierungsphase) die Möglichkeit haben am Interventionsprogramm teilzunehmen und in der zweiten Phase weitere 210 UMF teilnehmen können. Insgesamt können somit mehr als 300 UMF an der Intervention teilnehmen.

Weitere Informationen unter: http://www.uniklinik-ulm.de/

Kontaktperson bei Childhood:
Andrea Möhringer
mailto:andrea.moehringer@childhood.org
Tel.: +49 176 97314576